Strategy hat erneut Bitcoin gekauft – diesmal mit einer neuen Finanzierungsstrategie. Statt weitere Stammaktien zu emittieren, griff das Unternehmen auf Vorzugsaktien zurück, um seine Bitcoin-Bestände auszubauen. Der Schritt erfolgt in einer Phase, in der die Bewertung des Unternehmens zunehmend näher an den tatsächlichen Wert seiner Bitcoin-Reserven rückt. Die Entwicklung könnte den Wendepunkt in der Beziehung zwischen Aktienkurs und Bitcoin-Bestand markieren – und die Frage aufwerfen, ob das Geschäftsmodell von Michael Saylor künftig nachhaltiger oder riskanter wird.
Strategy finanziert Bitcoin-Kauf über Vorzugsaktien
Strategy Inc. hat jüngst 487 Bitcoin im Wert von rund 50 Millionen US-Dollar erworben. Finanziert wurde der Kauf über den Verkauf von Vorzugsaktien, genauer gesagt durch die Ausgabe von Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock. Der Emissionserlös belief sich laut einer Unternehmensmitteilung auf etwa 50 Millionen US-Dollar, wobei 26 Millionen US-Dollar direkt aus dieser Aktienkategorie stammen.
Strategy has acquired 487 BTC for ~$49.9 million at ~$102,557 per bitcoin and has achieved BTC Yield of 26.1% YTD 2025. As of 11/9/2025, we hodl 641,692 $BTC acquired for ~$47.54 billion at ~$74,079 per bitcoin. $MSTR $STRC $STRD $STRE $STRF $STRK https://t.co/jTEikuB5RY
— Michael Saylor (@saylor) November 10, 2025
Der Schritt ist bemerkenswert, da Strategy in der Vergangenheit meist auf die Ausgabe neuer Stammaktien setzte, um seine Bitcoin-Bestände zu vergrößern. Dieses Vorgehen führte jedoch zu einer zunehmenden Verwässerung der Altaktionäre. Mit der neuen Strategie bleiben die Stammaktionäre unberührt – ein Signal an den Markt, dass Saylor disziplinierter mit Kapitalerhöhungen umgehen will.
Bitcoin-Bestand wächst – Prämie auf Allzeittief
Mit dem jüngsten Kauf erhöhte sich Strategies Gesamtbestand auf rund 641.700 Bitcoin. Der Marktwert dieser Bestände lag zuletzt bei etwa 67,8 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wurde das Unternehmen an der Börse mit rund 71 Milliarden US-Dollar bewertet, was einem mNAV (multiple-to-net-asset-value) von nur 1,06x entspricht. Das bedeutet: Die Aktie notiert nur noch knapp über dem reinen Wert der Bitcoin, die das Unternehmen hält.
Why have Bitcoin treasury co’s like Strategy $MSTR and Strive $ASST shifted toward Perpetual Preferred Equity?
We believe Perpetual Preferred Equity is a structurally superior form of amplification for a LONG DURATION asset like Bitcoin$SATA $STRF $STRC $STRE $STRK $STRD pic.twitter.com/D395vqxzfi
— Jeff Walton (@PunterJeff) November 10, 2025
Dieser Wert ist der niedrigste Stand seit fast 20 Monaten. Noch vor einem Jahr lag das mNAV bei 2,7x, was eine erhebliche Prämie auf die Bitcoin-Reserven widerspiegelte. Die schrumpfende Bewertung zeigt, dass Investoren zunehmend vorsichtiger werden – und die hohe Korrelation zwischen Unternehmenswert und Bitcoin-Preis immer stärker in den Vordergrund rückt.
Michael Saylor bleibt der Bitcoin-Strategie treu
Trotz sinkender Prämie und wachsender Marktskepsis bleibt CEO Michael Saylor seiner Strategie treu. Das Unternehmen positioniert sich weiterhin als „Bitcoin-Treasury“, also als börsennotierte Gesellschaft, die ihr Kapital vorrangig in Bitcoin hält. Während viele Firmen im Krypto-Winter 2022 ihre Bestände abbauten, nutzte Strategy jede Kursdelle, um nachzukaufen – meist finanziert über Kapitalerhöhungen oder Anleiheemissionen.
Die Entscheidung, nun auf Vorzugsaktien umzusteigen, kann als Versuch gelesen werden, die Kontrolle über den Aktienkurs zu bewahren. Da Vorzugsaktien Dividenden versprechen, ohne die Stimmrechte zu verwässern, verschafft sich Saylor zusätzlichen finanziellen Spielraum – ohne den Druck, Stammaktionäre zu belasten oder kurzfristige Gewinne liefern zu müssen.
Shortseller James Chanos beendet seine Wette
Bekannt wurde die Entwicklung auch durch die Äußerungen von Shortseller James Chanos, der seine Position gegen Strategy am Wochenende geschlossen hat. Chanos hatte in einem sogenannten „Long-Bitcoin/Short-Strategy“-Trade darauf gewettet, dass der Aufschlag der Aktie gegenüber dem reinen Bitcoin-Wert schrumpft. Auf X (ehemals Twitter) erklärte der Wall-Street-Veteran, die Wette habe sich erfüllt und das mNAV bewege sich zunehmend in Richtung 1,0x.
As we have gotten some inquiries, I can confirm that we have unwound our $MSTR/Bitcoin hedged trade as of yesterday’s open. pic.twitter.com/lgrWNy35H8
— James Chanos (@RealJimChanos) November 8, 2025
Chanos’ Ansatz zielte nicht auf einen fallenden Bitcoin-Preis ab, sondern auf die Entkopplung zwischen Aktienbewertung und Bitcoin-Bestand. Dass er seine Position nun beendet hat, zeigt: Der Markt hat sich weitgehend angepasst. Der Unterschied zwischen Strategies Marktkapitalisierung und dem Bitcoin-Bestand ist minimal geworden – und könnte künftig sogar verschwinden.
Neue Euro-Vorzugsaktie in den Startlöchern
Ein weiteres großes Projekt steht bereits in den Startlöchern: Strategy plant, am Donnerstag seine erste in Euro denominierte Vorzugsaktie in Luxemburg zu platzieren. Der erwartete Erlös liegt bei rund 715 Millionen US-Dollar. Sollte das Unternehmen diese Mittel erneut in Bitcoin investieren, wäre das die größte Einzelinvestition seit Juli, als Strategy rund 2,46 Milliarden US-Dollar in Bitcoin steckte.
Thomas Perfumo, Chefökonom bei der Kryptobörse Kraken, sagte gegenüber Decrypt, dass Strategies Käufe inzwischen weniger marktbewegend seien. Der Grund: Die Nachfrage aus dem institutionellen Bereich, insbesondere von „digital asset treasuries“ wie Strategy, habe sich verlangsamt – und mit ihr der direkte Einfluss solcher Käufe auf den Bitcoin-Preis.
Bitcoin und der wachsende Einfluss institutioneller Käufer
Trotz der abnehmenden Marktreaktionen bleibt der Einfluss institutioneller Käufer entscheidend. Strategy gilt weiterhin als Symbol für die institutionelle Bitcoin-Adoption – und jeder Schritt des Unternehmens sendet ein Signal an den Markt. Auch wenn die unmittelbaren Preisimpulse kleiner werden, stärkt die kontinuierliche Akkumulation das Narrativ von Bitcoin als langfristigem Wertspeicher.
Langfristig dürfte sich entscheiden, ob das Geschäftsmodell von Strategy – Bitcoin als Unternehmensreserve zu halten – zu einer Blaupause für andere Firmen wird. Die Entwicklung der kommenden Monate, insbesondere die Wirkung der neuen Finanzierungsformen, wird zeigen, ob sich Saylors Ansatz rechnet oder zunehmend an seine Grenzen stößt.
Ein neues Kapitel in Strategies Bitcoin-Strategie
Strategy steht an einem Wendepunkt. Mit der Emission von Vorzugsaktien signalisiert das Unternehmen Disziplin, ohne seine Kernstrategie aufzugeben. Die sinkende Prämie zeigt jedoch, dass der Markt weniger bereit ist, für das Bitcoin-Exposure von Strategy einen Aufpreis zu zahlen.
Ob die neue Euro-Vorzugsaktie frisches Kapital in Milliardenhöhe freisetzt und zu einem weiteren großen Bitcoin-Kauf führt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Michael Saylor bleibt seinem Kurs treu – und positioniert Strategy weiterhin als Brücke zwischen traditionellen Kapitalmärkten und der Welt von Bitcoin.