Nach zwei trüben Wochen auf dem Kryptomarkt sieht Tokentus-CEO Oliver Michel wieder Licht am Horizont. Im Gespräch mit „Der Aktionär TV“ erklärte er, dass der jüngste Flashcrash am 10. Oktober und der Fall unter die Marke von 100.000 US-Dollar Teil einer typischen Marktbereinigung gewesen seien. Das sogenannte „Schütteln des Bäumchens“ sei beendet, und die Bitcoin Prognose könne nun in eine neue Aufwärtsphase übergehen. Erste Anzeichen dafür habe man bereits am vergangenen Sonntag und Montag gesehen.
Ein zentraler Faktor für die mögliche Trendwende liegt laut Michel in der veränderten Erwartung an die US-Notenbank Federal Reserve. Noch vor wenigen Wochen hatten fast alle Marktteilnehmer mit einer Zinssenkung im Dezember gerechnet. Nach Äußerungen von Fed-Chef Jerome Powell sank diese Erwartung jedoch auf rund 60 Prozent. Trotzdem wäre eine Senkung um 25 Basispunkte weiterhin wahrscheinlich, eine Überraschung von 50 Basispunkten wäre ein mögliches „Weihnachtsgeschenk“ für die Märkte.
Im Interview mit “der Aktionär TV”, Quelle: https://www.youtube.com/
Gerichtsentscheidung könnte Geldflüsse auslösen
Parallel sorgt ein weiteres Thema für Bewegung: Das mögliche Ende der US-Zölle aus der Trump-Ära. Sollte der Supreme Court tatsächlich gegen die damalige Zollpolitik entscheiden, müssten bis zu 100 Milliarden US-Dollar an Unternehmen zurückgezahlt werden. Dieses Geld würde direkt in den Markt zurückfließen, ein massiver Liquiditätsschub. Gleichzeitig könnte der Druck auf die Inflation nachlassen, da wegfallende Gegenzölle die Preise senken würden. Damit würde Jerome Powell weniger Grund sehen, die Zinsen weiter drastisch zu senken.
Michel betonte, dass all diese Entwicklungen letztlich auf ein zentrales Element hinauslaufen: Liquidität. In den vergangenen Monaten hätten sich auf dem sogenannten Treasury General Account, dem „Girokonto“ des US-Finanzministeriums bei der Fed, rund eine Billion US-Dollar angesammelt. Durch den Shutdown seien die Ausgaben gestoppt, Einnahmen aber weiter geflossen. Mit dem Ende des Shutdowns würden rund 750 Milliarden US-Dollar in den Markt zurückfließen, für Michel ein entscheidender positiver Impuls, der die Kurse kurzfristig antreiben könne.
The Fed’s balance sheet may soon expand again:
The Treasury General Account (TGA) has surpassed $900 billion for the first time since 2021.
The TGA is the US government’s main checking account at the Federal Reserve, used to hold and spend federal funds.
It has now risen by… pic.twitter.com/eSMvRTgeG6
— The Kobeissi Letter (@KobeissiLetter) November 11, 2025
Auch von Seiten der Regierung dürfte es weitere Stützung geben. Donald Trump plant, den Bürgern indirekt bis zu 2.000 US-Dollar zugutekommen zu lassen. Das ganze soll durch Steuervorteile statt direkter Schecks (wie in der Pandemiezeit) realisiert werden. Zusammen mit globalen Hilfsprogrammen wie dem deutschen Sondervermögen sei das weltweite Muster klar: Regierungen fluten die Märkte mit Kapital, um die Wirtschaft vor der Rezession zu bewahren. Kurzfristig könnte das die Kurse treiben, langfristig aber neue Inflationsrisiken schaffen.
Aussichten für Bitcoin
In diesem Umfeld bewertet Michel die Aussichten für Bitcoin und Co. weiter optimistisch. Während der Oktober mit einem Minus von vier Prozent enttäuschte, könnte sich der November laut seiner Analyse nochmal positiv drehen. Die entscheidende Marke bleibe der Bereich um 121.000 US-Dollar, der als Signal für einen bestätigten Aufwärtstrend gilt. Sollte diese nochmal gebrochen werden, sei der Weg zu einem neuen Allzeithoch zwischen 140.000 und 150.000 US-Dollar offen.
Auch bei den Altcoins erwartet er eine Verschiebung. Die Bitcoin-Dominanz sei zuletzt acht Wochen in Folge gestiegen, was typisch für Marktphasen mit Unsicherheit sei. Sobald sie jedoch zu fallen beginne, könnte der Startschuss für die nächste Altcoin-Rally folgen. Ethereum, XRP und Solana wären lt. dem Experten dabei in der ersten Reihe. Vorausgesetzt, die angekündigten Hilfsmaßnahmen greifen und schaffen das Umfeld für eine letzte große Aufwärtsbewegung. Denn gerade Präsident Trump hat schon mehrmals gezeigt, wie schnell er mit Entscheidungen den weltweiten Finanzmarkt innerhalb von Minuten drehen kann.
Für Michel bleibt das Gesamtbild klar: Die weltweiten Stimuluspakete, das Ende des Shutdowns und der anhaltende Kapitalfluss bilden die Grundlage für einen letzten großen Schub im Kryptomarkt, bevor die Wirtschaft in eine mögliche Rezession rutschen könnte.
